… von Notbremsen und anderen Dingen

Namaskara!

Nun beginnt schon die dritte Woche in Chamarajanagar. Nachdem Maike und ich am 18. August spät in der Nacht angekommen sind, haben wir uns in den folgenden Tagen erst einmal umgesehen und die Kinder kennen gelernt. Das Deenabandhu Children’s Home ist ein schöner Ort um hier zu leben – denke ich. Bis jetzt fühle ich mich auf jeden Fall sehr wohl, Maike und ich teilen uns ein recht großes Zimmer mit eigenem Bad, europäischer Toilette und fließend Wasser (oh ja, das muss erwähnt werden, denn es ist keinesfalls „normal“). Nachdem es die ersten Tage nur kaltes Wasser gab, hat man uns sogar das warme Wasser angestellt, ihr seht ich lebe im purem Luxus. Und nein, das ist keine Ironie. Abends fällt regelmäßig der Strom aus aber Maike und ich sind davon nur indirekt betroffen. Die Steckdosen funktionieren dann nicht mehr, das Licht aber schon. Trotzdem fällt einem hier natürlich auf, wie bequem man es zuhause hatte. Ich vermisse eine Waschmaschine und einen Kühlschrank, kaum zu glauben wie praktisch diese zwei Dinge doch sind und für wie selbstverständlich ich sie immer gehalten habe. Aber wie gesagt, ich habe es hier echt gut und ich bin völlig zufrieden mit meiner Wohnsituation.

Während ich in der Woche die ganze Zeit in Chamarajanagar bin, war ich an den zwei letzten Wochenenden immer in Mysore (und Umgebung). Am 1. September habe ich mit ein paar anderen Freiwilligen Srirangapatna angeschaut, eine kleine Stadt mit mehreren Sehenswürdigkeiten. Am Abend haben Maike und ich dann den letzten Zug von Mysore nach Chamarajanagar genommen. Die Fahrt dauert zwei Stunden und während ich mich, ganz indisch, an die offene Tür stellen wollte hatte Maike Sitzplätze für uns gefunden, was, wie sich kurze Zeit später heraus stellen sollte, ein riesen Glück war. An der nächsten Station wurde es im Zug so voll, dass wir diese Fahrt stehend garantiert alles andere als genossen hätten. Ein Abteil der zweiten Klasse ist für acht Leute vorgesehen, es ist zum Gang hin offen und wenn diese acht Leute alle auf den zwei Bänken sitzen, ist es unbequem voll – an diesem Abend fanden wir uns plötzlich mit 20 Indern in so einem Abteil wieder. Über, unter und neben uns – überall waren Menschen. Dass die Fahrt die erste Stunde trotzdem ganz lustig war, lag an der absoluten Faszination die man als Europäer hier irgendwie auf alle ausübt und so hatten wir viele Fragen zu beantworten („Habt ihr gegessen? Und was?“ Das ist die Lieblingsfrage, dicht gefolgt von: „Wie heißt dein Vater?“). Papa, du bist hier in Indien schon jetzt sehr bekannt.
Nach etwas der Hälfte der Fahrt, kurz nach einem Bahnhof, wurde es dann aber auf einmal lauter (noch lauter als gewöhnlich), jemand in unserem Abteil zog die Notbremse und wir sahen uns mit verschiedenen Gerüchten des gerade Geschehenen konfrontiert. „Jemand ist unter dem Zug, die Bein sind ab!“ – „Jemand ist unter dem Zug, die Arme sind ab!“ – „Jemand ist unter dem Zug, er ist tot!“ Was macht man jetzt? Geistesgegenwärtig fragte Maike ob jemand den Krankenwagen rufen würde, jemand bejahte, draußen liefen unglaublich viele Menschen zusammen und unser Abteil leerte sich schlagartig weil jeder sehen wollte was los war. Nach zwei Minuten fuhr der Zug dann auf einmal weiter und man beruhigte uns damit, dass doch nichts passiert sei. Mich würde es nicht wundern, wenn das nicht unsere letzte Notbremsung in einem indischen Zug war, die Menschen hängen hier so gerne an der offenen Tür, da fällt bestimmt ab und zu jemand raus.

Gestern dann waren wir in Mysore in einem Einkaufszentrum und haben uns ein bisschen eingekleidet. Ich habe auch endlich ein Kino gefunden was aktuelle Hindi Filme zeigt und werde mich demnächst unter das indische Publikum mischen.

Nun hat meine vierte Woche in Indien begonnen und ich bin gespannt was mich erwartet. Ich freue mich von euch zu hören,

Cécile

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Ein Gedanke zu “… von Notbremsen und anderen Dingen

  1. Das hört sich super spannend an. Es klingt nach sehr viel Spaß und Aufregung. lass dich von jedem Tag überraschen. Es werden noch sehr viele Abenteuer auf dich warten. Fühl dich ganz herzlich von mir gedrückt. Ich bin auf viele weitere Status von dir gespannt.

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