Eine Einladung zum Essen

Namaskara!

Das indische Essen ist vielfältig, von extrem scharf bis super süß, es ist alles dabei und die Menschen hier sind stolz darauf. Können sie auch sein, ich habe selten so gut gegessen wie hier.
Da gestern Feiertag war kam es, dass Maike und ich von Keerthi, unserer indischen Freundin, zu sich nach Hause eingeladen wurden um mit ihr und ihrer Familie zu feiern. Da wir erst um 11 Uhr da sein sollten, frühstückten wir noch zusammen mit den Kindern – das war, wie wir wenig später feststellten ein großer, ein sehr sehr großer Fehler. Kaum bei Keerthi angekommen reichte man uns einen Teller, hoch beladen mit verschiedenen Speisen. Ablehnen half nichts, wir aßen also brav das verfrühte Mittagessen (wie wir dachten), und auch die zweite Portion, die man uns auftat, und waren danach wirklich wirklich satt. Während wir dann mit der Familie Chandramukhi, ein indischer Film, schauten, wurden uns immer wieder Bonbons zugesteckt, da der Großvater (Onkel?) Geburtstag hatte. Besorgt hatten wir inzwischen auch registriert, dass Keerthis Mutter Gemüse schnitt und in der Küche am werkeln war. Die ersten Fluchtgedanken kamen uns und so kündigten wir an, dass wir bald gehen müssten, weil wir mit den Kindern Zeit verbringen wollten. Ein wirklich guter Grund, oder? Half aber nichts, wir blieben bis zum Mittagessen, den Willkommens“snack“ noch nicht einmal halb verdaut. Auf Bananenblättern wurde uns Reis, Gemüse und Sambar gereicht. Alles duftete verführerisch und sah wirklich gut aus, aber ihr kennt das, wenn man satt ist, dann ist man satt. Brav machten wir uns trotzdem daran zu Essen, mit jedem Bissen den Gedanken im Kopf, dass man voll war – sehr voll. Und wenn man voll ist, dann freut man sich, wenn der Teller (bzw. in diesem Fall das Bananenblatt) leerer wird. Ich hatte also mein Gemüse schon aufgegessen und nahm grade einen Schluck Wasser, als schneller als ich gucken konnte, Keerthi mir einen neuen Löffel aufgetan hatte. Keine Chance zu protestieren. Derweil war Maike schlauer gewesen und hatte von jedem immer etwas gegessen, so dass sie bis zum Schluss von jedem Gericht etwas auf ihrem Teller hatte. Aber auch das hielt schließlich niemanden davon ab ihr erneut Reis aufzutun. Mit großen Augen versuchte sie die erste Kelle abzuwehren – umsonst. Ich glaube als dann auch noch eine zweite, ebenso große Kelle mit Reis auf ihrem Blatt landete, wäre sie am liebsten in Tränen ausgebrochen.
Und dann sitzt du da, vor dir ein riesen Berg mit Essen, du kannst einfach nicht mehr aber du weißt, dass es extrem unhöflich wäre, das ganze abzulehnen aber genauso, dass sobald du aufgegessen hast, es keine Chance gibt Keerthis Mutter davon abzuhalten dein Bananenblatt erneut so zu beladen. Glaubt mir, ich habe es versucht. Ich habe meine Hände über das Bananenblatt gehalten und „Saku!“ („Genug!“) gerufen, ich habe mit bettelndem Blick versucht klar zu machen, dass ich kurz vor dem Tot durch zu viel essen stehe, trotzdem konnte ich kurz darauf eine neue große Portion Reis mein eigen nennen. Überhaupt kam mir während dieses Essens der Gedanke, dass ich dem nur noch durch einen plötzlichen Tot entkommen kann.
Fragt mich nicht wie, aber irgendwann dürften wir aufhören zu essen, ich glaube ich war noch nie so glücklich.

Also, indische Regel Nummer 1: Esse niemals, und ich betone NIEMALS, etwas, bevor du bei einem Inder zu Essen eingeladen bist. Am besten du isst eine Woche vorher gar nichts. Dann kannst du das leckere Essen bei deinem Gastgeber richtig genießen.

Grüße aus Indien,
Cécile

P.S.: Abends haben wir uns beim Abendessen zu den Jungs gesetzt um ihnen ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Naja, wer da sitzt kriegt auch was zu essen. Ich glaube Maike hat jetzt ein Reis-Trauma.

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