Mumbai/Bombay

Namaskara!

Seit kaum einem Tag bin ich zurück aus Mumbai und noch immer habe ich das Gefühl, dass die Stadt weiterhin tief in mir ist – und das nicht nur dank der vielen Abgase. Mumbai, früher Bombay, ist extrem groß, extrem laut und hat ihren eigenen extremen Geruch. Alles dort ist extrem. Extrem arm – extrem reich, extrem heiß – extrem kühl. Überall extreme und ich habe das Gefühl es gibt keinen Ort in Indien an dem mehr Indien ist als in dieser Stadt.
Aber fangen wir von vorne an.
Am Sonntag Morgen brachen Maike und ich früh auf um von Chamarajanagara nach Mysore zu fahren. Dann ging es mit dem Zug weiter nach Bangalore und erst dort startete unsere Reise nach Mumbai so wirklich und das obwohl wir schon mehr als sieben Stunden Fahrtzeit hinter uns hatten, ihr könnt euch vorstellen, dass wir beide nicht mehr ganz auf der Höhe waren als wir am Abend am Bangalorischen Hauptbahnhof in den Zug stiegen, den wir für die nächsten 24 Stunden auch nicht mehr verlassen sollten. Obwohl in jedem Reiseführer davor gewarnt wird, hatten wir es irgendwie geschafft uns in die Sleeper Class einzubuchen, die „schlechteste“ Klasse – nicht klimatisiert, immer überfüllt und ohne eigenes Abteil. Man muss dazu sagen, dass ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt dafür auch nur knapp 10 Euro gekostet hat – in Deutschland würde ich damit nicht mal 100 Kilometer kommen.
Aber auch der billige Fahrpreis hinderte mich nicht daran in den nächsten Stunden alles und jeden zu verfluchen – es war heiß, es war voll, es war laut und ich nicht ganz gesund. Alle gefühlte 20 Minuten hielt der Zug an und stand Ewigkeiten herum, fuhr er wurde man durchgerüttelt. Trotzdem schlief ich während der Nacht verhältnismäßig gut, auch wenn ich mehrmals aus dem Schlaf schreckte, weil ein anderen Zug mit bahnbrechender Geschwindigkeit und laut hupend vorbei fuhr – durch das offene Fenster hatte das ganze manchmal Achterbahnfeeling (plus dem Gefühl: Oh Gott, jetzt rammt er uns und ich muss sterben).
Als wir am nächsten Abend endlich völlig durchgeschwitzt und übermüdet in Mumbai ankamen, begrüßte uns die Stadt mit dem abziehenden Monsun. Dank des Regens weigerten sich die Taxifahrer uns zu unserem Hotel zu bringen und als wir schließlich doch jemanden fanden der uns fahren wollte, zahlten wir mehr als die Hälfte des eigentlichen Fahrpreisen drauf und standen zwei Stunden im Stau. Ihr könnt euch vorstellen dass mein erstes Bild von Mumbai nicht das beste war.
Nach einer kurzen Nacht nahmen Maike und ich das Abenteuer Zug fahren erneut in Angriff. Während wir dachten wir seien volle Züge nun inzwischen gewohnt, belehrte uns die Stadt eines besseren. Täglich sterben hier mehrerererere Menschen, weil sie aus den überfüllten Zügen hängen und von einem Strommast mitgenommen werden oder weil sie auf den Dächern hocken und eine kommende Brücke nicht sehen – mein innigstes Anliegen war also, als der Zug in den Bahnhof einfuhr, möglichst weit in den Waggon hinein zu kommen. Nun haben sich die Menschen aufgrund der völligen Überfüllung ihr eigenes System ausgedacht, um an den richtigen Stationen aus dem Zug zu kommen. Als erstes quetscht man sich also hinein und sobald der Zug losgefahren ist, brüllt man gegen die anderen an um seine Station mitzuteilen. Wie von selbst wird man dann an den richtigen Platz geschoben und gedrängt und irgendwann stand ich so wirklich in der Mitte des Waggons, da wir an der Endstation aussteigen wollten. Es war geplant dort eine Freundin in ihrem Hotel zu treffen.
Nach einem gehetzten Besuch im Taj Mahal Palace Hotel, änderten wir unser Tagesprogramm allerdings (dank eines mini mini kleinen Fehlers von mir, ein grooßes sorry noch einmal an alle Beteiligten!) und fuhren nach Elephanta, eine Insel im Meer vor Mumbai. Dank meiner angeschlagenen Gesundheit und es unglaublich schwülen Wetters konnten wir die Insel leider nicht so erkunden wie wir gewollt haben und ließen auch die Souvenirstände links liegen, ein großer Fehler, wie wir im Laufe der Tage noch feststellten, waren sie doch die einzigen denen wir in Mumbai begegneten.
Am Abend fand das Treffen mit Andrea dann doch noch statt und dies war definitiv der Höhepunkt des Tages. Es ist immer schön einen Freund zu treffen aber in einer fremden Stadt, in einem fremden Land, auf einem völlig fremden Kontinent ist es noch einmal um einiges schöner. Danke also für diesen Abend!
Die nächsten Tage führten Maike und mich zum Gateaway of India, ins Kino um einen Film zu sehen, der dort seit 1995 ununterbrochen läuft und in mehrere gut gekühlte Einkaufszentren, in die wir uns retteten, wenn es uns draußen zu heiß wurde.
Aufgrund des Wetters und da wir beide gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe waren sahen wir nicht viel von den üblichen Touristenorten aber die können wir nun auch googeln. Dafür haben wir Mumbai kennen gelernt, wie es wirklich ist. Wir sind Taxi und Rikscha gefahren, sind durch enge Gassen und über kleine Märkte gelaufen und haben mehr Smog eingeatmet als in unserem ganzen Leben in Deutschland. Wir haben kleine Mädchen gesehen, mit Neugeborenen auf dem Arm, die völlig abgemagert waren und Menschen, die an unser Taxifenster kamen und bettelten während in den Einkaufszentren sich eine Luxusboutique an die nächste reihte.
Mumbai ist der Ort mit den meisten Gegensätzen, an dem ich jemals war, aber vielleicht oder gerade deshalb hat mir die Stadt gefallen.

Die Rückreise gestaltete sich entgegen unserer Befürchtungen dann als wesentlich entspannter als die Hinfahrt und wir hatten das Glück mit drei jungen Frauen zusammen zu sitzen, die am Abend bereitwillig ihr Essen mit uns teilten. „Wir teilen unser Essen mit jedem.“ Das ist Indien.

Liebe Grüße,
Cécile

P.S.: Nach einer Woche nach Hause zu kommen und zwei Postkarten und einen Brief vorzufinden ist super super super schön, danke! Ich vermisse euch sehr.

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